Urlaub für Pflegebedürftige und Angehörige: St. Georgen im Ferienland Schwarzwald bietet Betroffenen individuelle Auszeit vom Alltag

St. Georgen. Das Ferienland Schwarzwald und die Evangelische Altenhilfe St. Georgen gGmbH besetzen mit dem Angebot „Urlaub für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige“ eine Nische, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen zugeschnitten ist. An Demenz erkrankte Menschen schließt das Angebot ebenfalls mit ein. Als Gesundheits-Standort etabliert hat sich in den vergangenen Jahren die Ferienland-Gemeinde St. Georgen. Besonders wertvoll für Betroffene: Pflegende Angehörige reisen mit nach St. Georgen und  sind in die Auszeit vom Alltag von Beginn an aktiv mit eingebunden.

„Wir unterstützen die pflegenden Angehörigen täglich, wenigstens für kurze Zeit dem belastenden und eintönigen Pflegealltag zu entfliehen, auszuspannen und sich zu regenerieren“, sagt Marianne Kieninger, die bei der Tourist Information in St. Georgen für die Organisation und Betreuung des Angebots zuständig ist. In der Praxis sieht das zum Beispiel so aus: Während der Patient in der Tagespflege betreut wird, hat der Angehörige Zeit zur Erholung – ohne dabei seinen Partner oder sein Familienmitglied im Stich zu lassen. Abends und nachts sind beide in der Ferienwohnung wieder zusammen.

Dass die pflegenden Partner oder Familienmitglieder häufig Sorge haben, das ungewohnte Umfeld könnte sich negativ auf das Wohlbefinden des Pflegebedürftigen auswirken, versteht Marianne Kieninger gut. „In seiner vertrauten Umgebung hat gerade ein dementer Mensch wenigstens ein bisschen Orientierung“, so Kieninger. Aber wie verhält es sich bei einer mehrtägigen Reise? Erhalten Demenzkranke die auch in den Ferien dringend notwendigen alltäglichen Strukturen? Das sind Fragen, die die  häufig sehr verunsicherten pflegenden Angehörigen umtreibt.

Mittlerweile zahlt sich die Überzeugungsarbeit aus. Im ersten Halbjahr 2016 haben sich bereits sechs Personen mit ihren an Demenz erkrankten Angehörigen für eine Auszeit in St. Georgen entschieden – in erster Linie sind es Frauen oder Männer mit ihren Lebenspartnern.

„Mit unserem Angebot wollen wir diese Leistung stärker würdigen und die Wertschätzung pflegender Angehöriger deutlich erhöhen. Wichtig sind uns aber auch ethische Grundsätze im Umgang mit den Patienten“, sagt Markus Schrieder, Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe St. Georgen gGmbH.

„Was Marianne Kieninger in enger Zusammenarbeit mit der Evangelischen Altenhilfe, dem Arbeitskreis Gesundheit und dem sozialen Netzwerk in St. Georgen leisten, ist beeindruckend. Gemeinsam haben sie ein professionelles Netzwerk zusammengestellt, das die optimale individuelle Pflege und medizinische Betreuung von Pflegebedürftigen fern der Heimat garantiert“, sagt Julian Schmitz, Geschäftsführer der Ferienland im Schwarzwald GmbH.

Die Idee entstand 2010 innerhalb einer Kampagne des Schwarzwald-Baar-Kreises zum Thema Demenz. In St. Georgen wurde seinerzeit ein spezieller Arbeitskreis gebildet und ein Angebot erarbeitet, das für alle Menschen gedacht ist, die dringend eine Auszeit benötigen, Ihre pflegebedürftigen Angehörigen aber nicht alleine lassen wollen. Dabei wollte man sich nicht auf bestimmte Wochen im Jahr festlegen, sondern das Angebot individuell und jederzeit buchbar gestalten.

Ferienwohnungen zur Verfügung stellen im Ferienland Schwarzwald derzeit der „Jäckleshof“ der Familie Wentz (www.jaeckleshof.de) sowie der von der Familie Müller geleitete „Glashof“ (www.glashof-schwarzwald.de). Barrierefreie Unterkünfte bietet zudem das Hotel Kammerer (www.hotel-kammerer.de).

Alle Wohnungen sind behindertengerecht ausgestattet und können somit auch von Menschen genutzt werden, die nicht dement sind aber eine körperliche Einschränkung haben.

Die Evangelische Altenhilfe verfügt mit dem Lorenzhaus und dem Elisabethhaus (mit Tagespflege und Sozialstation) über kompetente Pflegezentren, in denen eine Betreuung in der Tagespflege, Kurzzeitpflege oder auch in der Unterkunft möglich ist. In das Lorenzhaus sind 99 geräumige, hochwertig ausgestattete Einzelzimmer integriert, in das Elisabethhaus 39 Zimmer, die allesamt individuell gestaltet werden können.

Derzeit lässt die Evangelische Altenhilfe St. Georgen bis zum Frühjahr 2018 die Wohnanlage „Lorenzhöhe“ bauen – eine Einrichtung für Betreutes Wohnen mit einer Gesamtwohnfläche von rund 4.000 Quadratmetern. Gebaut werden 51 seniorengerechte Wohnungen mit einer Größe zwischen 48 und 123 Quadratmetern, die zum Verkauf stehen. In der „Lorenzhöhe“ entstehen darüber hinaus fünf Ferienwohnungen, die in das Angebot „Urlaub für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige“ integriert werden können.

„Diese Wohnanlage bietet uns die Möglichkeit, weitere Menschen und ihre Angehörigen aufzunehmen und unser Angebot auszubauen. Das Wohnangebot soll den Bewohnern ermöglichen, bis ins hohe Alter in der eigenen Wohnung zu bleiben und sich selbst zu versorgen. Bei Pflegebedürftigkeit ist eine kompetente Versorgung durch mobile Dienste möglich und wird durch den Betreuungsservice organisiert“, sagt Markus Schrieder.

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